Auch ohne Serverversion von Windows ist es möglich, mehreren Benutzern gleichzeitig Zugriff auf Windows-XP zu ermöglichen. In diesem Artikel wird beschrieben wie bis zu drei Benutzer gleichzeitig Anwendungen eines Windows-Rechners nutzen können.
Als Beispiel wird hier WindowsXP-Pro in einer virtuellen Maschine eingesetzt und für den Zugriff über RDP (Remote Desktop Protocoll) konfiguriert.
Diese virtuelle Maschine funktioniert so als Terminalserver bzw. Applicationserver, das ermöglicht es Windowsanwendungen unter Linux zu nutzen ohne, dass Windows als zweites Betriebssystem installiert sein muss.
Als Hyperviser können verschiedene Anwendungen zum Einsatz kommen, z. B. VMware, VirtualBox oder ein voll virtualisiertes XEN.
Unabhängig von der verwendeten Virtualisierungssoftware, muss auf die virtuelle Maschine über Netzwerk zugegriffen werden können. Das kann dadurch geschehen, dass die virtuelle Maschine direkt mit dem lokalen Netzwerk verbunden ist (bridgeing) oder die notwendigen Ports von der Host-Maschine weitergeleitet werden (nating).
Wie XEN und vmware eingerichtet und konfiguriert werden können ist in separaten Artikeln beschrieben.
Für die weitere Konfiguration wird angenommen, dass der Netzwerkszugriff auf den Gast funktioniert.
Der Remote-Desktop wird unter Windows in den Systemsteuerungen aktiviert. Unter System muss im Reiter Remote das Häckchen unter Remotedesktop gesetzt sein.
Zusätzlich muss in den Benutzereinstellungen die Willkomensseite bei der Benutzeranmeldung und die Schnelle Benutzerumschaltung aktiviert werden. Diese Änderungen werden in der Systemsteuerung unter Benutzerkonten und weiter bei Art der Benutzeranmeldung ändern eingestellt werden.
Zum einfachen Zugriff auf den Windows-Desktop muss der RDP-Dienst vom System gestartet werden. Damit kann ohne Benutzeranmeldung direkt auf den Desktop zugegriffen werden.
Der gesamte Windowsdesktop kann nun mit folgendem Befehl in einem eigenen Fenster angezeigt werden:
$ rdesktop -g 1024x768 -u <username> -p <password> <ip-adresse>
Um den Windows-Host als Application Server verwenden zu können, d. h. Applikationen werden ohne Desktop gestartet und in eienm eigenen Fenster direkt in Linux dargestellt, muss der seamlessrdp-Server auf dem Windows-Host kopiert werden. Dieses Programm kann von http://www.rdesktop.org heruntergeladen werden.
Der kompilierte Server besteht aus zwei .DLL-Datein und der Datei seamlessrdpshell.exe. Diese Dateien müssen auf dem Windows-Host kopiert werden. Für dieses Beispiel wird das Verzeichnis C:\Programme\SeamlessRDP\ verwendet. Danach kann mit folgendem Befehl ein beliebiges Programm (z.B. das Notepad) im seamless Modus gestartet werden.
$ rdesktop -A -s "c:\Programme\SeamlessRDP\seamlessrdpshell.exe c:\windows\system32\notepad.exe" <ip-adresse>
Nach Angabe von Benutzername und Passwort wird das im Befehl angegebene Programm (ind diesem Fall Notepad) gestartet.
Der Benutzer kann automatisch durch Angabe der folgenden Parameter angemeldet werden:
... -u <username> -p <password>
Eine Vollständige Integration des Windowsdesktops in Linux ist ebenfalls möglich. Dabei wird ausschließlich die Windows-Taskleiste angezeigt, von der aus dann über das Startmenü ganz normal Windowsprogramme gestartet werden können.
Für den Windows-Benutzer unter dem die RDP-Session gestartet werden soll muss folgender Registry-Key vom Typ DWORD auf den Wert 1 gesetzt werden:
HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\Explorer\NoDektop
Der Aufruf in Linux funktioniert ähnlich wie der Start einzelner Applikationen:
$ rdesktop -A -s „C:\Programme\Seamlessrdp\seamlessrdpshell.exe c:\windows\explorer.exe“ <ip-adresse>
Damit mehrere Benutzer gleichzeitig auf den Windows Gast zugriefen können müssen folgende Schritte durchgeführt werden:
regedit.exe starten und unter HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Control\Terminal Server\Licensing Core den neuen DWord-Wert EnableConcurrentSessions einfügen und auf den Wert 1 setzen.gpedit.msc starten und Computerkonfiguration\Administrative Vorlagen\Windows-Komponenten\Terminaldienste\Remoteverbindungen für Benutzer mit Hilfe der Terminaldienste zulassen aktivieren. C:\WINDOWS\ServicePackFiles\i386\termsrv.dll in termsrv.dll.bak. Dadurch kann Windows die Datei nicht mehr durch die automatische Systemwiederherstellung ersetzen. C:\WINDOWS\system32\termsrv.dll in termsrv.dll.bak umbenennen. termsrv.dll (aus dem ServicePack 2 von Windows XP) nach C:\WINDOWS\system32\. Danach sollten sich bis zu 3 (unterschiedliche!) Benutzer mittels RemodeDesktop (und einer lokal) einloggen können.
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